Eike Kellermann • 12.11.2025 - 13:45 Uhr
Die Südthüringer BSW-Politikerin Anke Wirsing sieht es nicht als Misstrauen, dass Parteigründerin Sahra Wagenknecht keinen Thüringer in der neuen Bundesspitze haben will.
„BSW-Spitze ohne Thüringer ist kein Problem“
Eike Kellermann • 12.11.2025 - 13:45 Uhr
Die Südthüringer BSW-Politikerin Anke Wirsing sieht es nicht als Misstrauen, dass Parteigründerin Sahra Wagenknecht keinen Thüringer in der neuen Bundesspitze haben will.
Wagenknecht nennt Spekulationen über Rückzug "Unsinn" Wagenknecht bleibt auf Anti-Thüringen-Kurs
Der Rückzug von Sahra Wagenknecht als BSW-Chefin, die personelle Neuaufstellung nach dem verpassten Einzug in den Bundestag: Beim bisher noch „Bündnis Sahra Wagenknecht“ heißenden Polit-Newcomer ist einiges los. Beim Bundesparteitag Anfang Dezember in Magdeburg soll nicht nur das Aushängeschild aus dem Parteinamen gestrichen werden. Auch die Bundesspitze wird neugewählt. Ein Thüringer steht allerdings nicht auf der Wagenknecht vorgeschlagenen Liste für die Doppelspitze und die sieben Stellvertreter.
Für die Südthüringer BSW-Politikerin Anke Wirsing, die als Unterstützerin Wagenknechts gilt, stellt das kein Problem dar. „Ich finde es nicht dramatisch“, sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Es stehe jedem Thüringer Parteimitglied frei, für den Bundesvorstand zu kandidieren, falls es sich dazu berufen fühle. „Ich würde mir wünschen, dass alle 16 Bundesländer vertreten sind“, so die Landtagsabgeordnete, die in Bad Salzungen im Stadtrat und im Wartburgkreis im Kreistag sitzt.
Wink mit dem Zaunpfahl
Auf die Nachfrage, ob der Wagenknecht-Vorschlag nicht ein Misstrauensvotum gegen den Thüringer Landesverband sei, antwortete Wirsing: „Das kann ich nicht erkennen.“ Zahlreiche andere Bundesländer seien ebenfalls nicht berücksichtigt worden. Allerdings scheint der Wink aus Berlin einer mit dem Zaunpfahl zu sein. Schließlich ist Thüringen eines von nur zwei Bundesländern, in dem das BSW mitregiert. Aus Brandenburg, dem zweiten Land, sollen sogar zwei Vertreter Bundesvize werden.
Offenkundig zeigt sich darin Wagenknechts anhaltender Widerwille gegen die Thüringer Koalition aus BSW, CDU und SPD. Wagenknecht hatte die CDU als Hauptgegner bei der vorgezogenen Bundestagswahl im Februar 2025 auserkoren. Hauchdünn wurde der Einzug in den Bundestag verpasst. Die Parteigründerin lastet das auch dem Thüringer BSW und dem gegen allen Berliner Widerstand durchgesetzten Brombeer-Bündnis an.
Wagenknecht bleibt auf Anti-Thüringen-Kurs
Bei Anke Wirsing stößt das von Wagenknecht vorgeschlagene Personaltableau auf Zustimmung. Sie begrüße die Kandidatur von Amira Mohamed Ali und Fabio De Masi als Doppelspitze, sagte sie. Den Rückzug der Parteigründerin könne sie „persönlich nachvollziehen“. Als Mitglied bedauere sie aber die Entscheidung. Wagenknecht sei „einfach unersetzlich“. Wirsing hofft, dass die Gründerin „weiter das Gesicht der Partei sein“ werde.
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Sie selbst hat nach eigenen Worten noch nicht entschieden, ob sie für den Bundesvorsitz kandidiert. Am 22. November finde ein Treffen aller Thüringer BSW-Mitglieder statt, bei dem wohl auch über Bewerbungen für die Bundesspitze gesprochen werde. Die beiden Landeschefs Katja Wolf und Gernot Süßmuth haben angekündigt, man werde „möglicherweise“ eigene Kandidatinnen oder Kandidaten benennen. Diese Zurückhaltung deutet darauf hin, dass der Konflikt mit Berlin nicht angeheizt werden soll. Sie belegt auch, dass die Chancen bei einer Bewerbung nicht unbedingt gut stehen.
Besonders Wolf gilt als rotes Tuch für Wagenknecht - auch wenn beide in offiziellen Stellungnahmen das stets bestreiten. Anke Wirsing trat - unterstützt von der Bundespartei - bei der Neuwahl der Landesspitze im April 2025 gegen Wolf an, unterlag aber. Die Bezeichnung „Machtkampf“ für ihre Kampfkandidatur hält sie für falsch. „Ich habe ein Angebot gemacht. Eine Wahl ist nur dann eine Wahl, wenn mehrere Personen zur Auswahl stehen“, sagt sie. Ein Minister - Wolf ist Finanzministerin der Brombeer-Landesregierung - könne als Parteichef nicht so frei die Positionen der Mitglieder und Wähler vertreten wie jemand, der nicht dieses Amt habe. Es sei ein Interessenkonflikt.
Letzte Chance Neuauszählung
Vielleicht kehrt Wagenknecht aber doch noch ins Rampenlicht zurück. Das BSW fordert eine Neuauszählung der Bundestagswahl, nur rund 9.500 Stimmen fehlten ihm zum Einzug. Würde das Wahlergebnis gekippt, soll Wagenknecht Fraktionsvorsitzende werden. Kein Wunder, dass ihre Thüringer Unterstützerin Anke Wirsing sagt: „Ich würde mich sehr freuen, wenn es zur Neuauszählung käme.“ Alles andere fördere nur die Politikverdrossenheit.